top of page

Perfektionismus in der Kunst: Schluss mit „schön“ – was ein Kunstwerk wirklich stark macht

  • Autorenbild: Jennifer Münch
    Jennifer Münch
  • vor 6 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

„Ist das Bild schön?“ Was ist denn eigentlich schön?

Oft höre ich die Frage in meinen Mal-Events "ist das schön so?". Sie klingt erst mal harmlos, doch sie lenkt meiner Meinung nach in die falsche Richtung.


Denn sobald wir versuchen, etwas zu malen, was einfach nur „schön“ sein soll, verlieren wir oft genau das, was ein Bild lebendig macht. Wir glätten. Korrigieren. Harmonisieren. Bis nichts mehr stört – und leider auch nichts mehr berührt. Was ist eigentlich schön?


In diesem Artikel geht es darum, warum Perfektion nicht das Ziel sein sollte – und woran du erkennst, ob dein Bild Kraft hat. Viele Menschen kämpfen beim Malen mit Perfektionismus in der Kunst – mit dem Gefühl, dass jedes Bild sofort „richtig“ sein muss.


Alkoholtinte mit dem Spruch drauf "Don't kill my vibe"

Schönheit ist Geschmack. Stimmigkeit ist Substanz.


Schönheit hängt vom Betrachter ab. Der eine liebt ruhige, gedeckte Farben. Der nächste sucht Kontrast und Drama. Was heute als ästhetisch gilt, wirkt morgen banal.

Stimmigkeit funktioniert anders.


Ein Bild ist stimmig, wenn alles darin eine Beziehung zueinander hat. Wenn Farben sich tragen. Wenn Bewegung bewusst gesetzt ist und der Blick geführt wird.

Du spürst es sofort, wenn das Bild in sich stimmig ist. Es kippt nicht und braucht auch keine Erklärung. Stimmigkeit ist kein Trend. Sie ist Struktur und man kann den Blick dafür erlernen.


Perfektionismus in der Kunst nimmt Risiko – und damit Leben


Perfektion will kontrollieren, denn sie vermeidet Brüche. Sie bügelt Kanten glatt und sorgt dafür, dass alles „passt“. Doch Kunst braucht etwas Reibung. Ein zu sauberer Farbverlauf kann steril wirken. Eine zu exakte Linie nimmt Spannung. Ein Bild, das überall gleichmäßig „richtig“ ist, bleibt oft austauschbar.


Starke Werke haben Mutstellen. Bereiche, die lebendig sind. Die nicht geschniegelt wirken.

Übertrage das doch mal aufs Leben: Stell dir vor, du triffst den perfekten Menschen. Zuerst ist man vielleicht beeindruckt, aber nach einer Weile wird das ziemlich fad – oder sogar nervend.


Kunstwerke sind von Menschen für Menschen gemacht. Gerade diese kleinen Mutstellen hauchen ihnen Leben ein. Und gerade beim Malen entsteht Energie durch das Zusammenspiel von Kontrolle und Loslassen. Wer nur kontrolliert, verliert Dynamik. Wer nur loslässt, verliert Halt. Die Kraft liegt dazwischen.


Wann ein Bild für mich fertig ist


Wenn ich male, gibt es einen Moment, in dem ich das Gefühl habe, dass es jetzt „reicht“. Das ist der Moment, in dem ich bewusst Abstand nehme. Ich frage mich nichtIst das schön?

Ich frage mich: Funktioniert es? Ist die Komposition ausbalanciert? Wird der Blick geführt? Gibt es Bereiche, die Ruhe geben – und andere, die Spannung erzeugen?


Ein starkes Bild braucht beides.


Stell dir ein Werk vor, das absolut überladen ist. Überall sind starke Kontraste zu sehen, überall ist Bewegung. Dein Auge findet keinen Halt. Es ermüdet.

Und jetzt stelle dir das Gegenteil vor: Nur sanfte Übergänge, keine Brüche, keine Akzente. Das Bild schläft ein und wirkt fast unscheinbar.


Natürlich sind das zwei Extreme. Und ja – beides wird es auch in der Kunstszene geben. Sicherlich gibt es Menschen, die genau das „schön“ finden. Das darf es auch.

Vermutlich wird diese Kunst für eine sehr spitze Zielgruppe als "schön" empfunden. Und hier hörst du es vielleicht schon raus - Es ist ein Gefühl! Gefühle sind etwas so individuelles und jeder hat mit seinen Gefühlen einen Raum. Gehörst du dieser Zielgruppe aber nicht an, ist beides für dich wirst du keines der beiden extreme als "schön" empfinden.

Für mich persönlich als Künstlerin betrachte ich Kunstwerke in Ihrer Stimmigkeit. Dann kann ich etwas mehr Abstand von einem Gefühl nehmen. Stimmigkeit entsteht im Wechselspiel. Ruhe und Energie. Dichte und Leere. Kraft und Zurückhaltung.

Es spiegelt sogar ein Stück das Leben wider. Denn das Leben ist nicht immer nur knallig bunt – aber auch nicht perfekt und aalglatt.

Der innere Maßstab statt Applaus

Ein häufiger Fehler gerade am Anfang: Wir malen mit dem Gedanken an die Reaktion anderer.

Wird das geliked? Gefällt es meiner Familie? Ist es „gut genug“?


Doch Kunst entsteht nicht für den Applaus. Sie entsteht aus einer Entscheidung – oft auch einfach aus einem Moment heraus. Es ist genau genommen ein Teil von dir, in einem Moment in deinem Leben. Das ist Kunst.


Wenn du beginnst, dich, deine Kunst und dein eigenes Empfinden ernst zu nehmen, verändert sich dein Prozess. Du malst nicht mehr auf Zustimmung hin. Du malst mit Klarheit.

Das ist ein entscheidender Faktor. Das heißt nicht, dass dir Resonanz egal ist. Aber sie wird nicht zum Steuerungsinstrument deiner Kunst. Du bist der Kapitän deines Schiffes – du steuerst es, wohin du willst.


Ein Bild ist stark, wenn du dahinterstehst – auch wenn es nicht jedem gefällt.

Willst du deinen Blick und dein Gefühl etwas schulen? Dann habe ich eine kleine Übung für dich.


Übung: Stimmigkeit eines Werkes

Nimm eines deiner Bilder oder eine aktuelle Arbeit zur Hand.


Stell dir zwei Fragen:

  1. Habe ich hier versucht, nur etwas „schön“ oder perfekt zu machen?

  2. Oder habe ich Entscheidungen getroffen, weil sie sich richtig angefühlt haben? Und stehe ich dahinter?


Jetzt geh noch einen Schritt weiter:


Halte dir das Bild kurz auf Armlänge hin. Blinzele leicht, sodass Details verschwimmen. Siehst du noch eine klare Struktur? Oder zerfällt alles in Beliebigkeit?


Diese Übung hilft dir, zwischen Dekoration und Substanz zu unterscheiden.

Das kannst du auch im Prozess des Malens machen. Nimm unterschiedliche Positionen ein. Mal nah, mal fern. Wie wirkt es auf dich?


Wenn es dir schwer fällt, etwas genau zu benennen, dann geh nur nach deinem Gefühl. Vertraue darauf. In welcher Region ist es für dich gut so? Wo stört dich etwas? Schau dir Formen und Farben an. Wo blitzt das Gefühl auf, hier stimmt etwas noch nicht?


Warum dieser Gedanke eng mit „Into the Flow“ verbunden ist


Wenn ich mit Menschen male oder sie durch kreative Prozesse begleite, taucht dieser Punkt fast immer auf: der Wunsch, dass ein Bild sofort „schön“ sein soll. Glaube mir, so habe ich auch angefangen. Ich habe Stunden um Stunden, Wochen und Jahre geübt, um immer besser zu werden mit dem Anspruch, dass es Perfekt sein muss. Doch genau dieser Anspruch blockiert den kreativen Prozess.


Flow entsteht nicht, wenn wir versuchen, alles zu kontrollieren. Flow entsteht, wenn wir reagieren. Wenn wir zulassen, dass ein Bild sich entwickelt, statt es von Anfang an perfekt machen zu wollen.

Der Gedanke der Stimmigkeit gehört deshalb direkt zu meinem Ansatz Into the Flow.

Es geht nämlich nicht darum, etwas Makelloses zu erschaffen – sondern etwas, das lebendig wirkt und sich für dich richtig anfühlt! That's it. Das reicht vollkommen.

Fazit: Hör auf zu gefallen. Fang an authentisch zu malen.

„Schön“ ist kein Ziel. Es ist ein Nebeneffekt.

Wenn du beim Malen beginnst, nach innerer Balance zu suchen statt nach äußerer Zustimmung, verändert sich deine Arbeit, deine Kreativität und auch der Spaß am Prozess.

Deine Kunst wird klarer, mutiger, persönlicher und damit authentisch.

Starke Kunst entsteht nicht aus makelloser Oberfläche. Sie entsteht aus bewussten Entscheidungen und Mut. Denn genau dort beginnt echte Qualität. Finde deinen Flow, das wünsche ich dir von Herzen. Deine Kreativ-Flowmentorin Jenny

Kommentare


bottom of page