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Malen für Anfänger: So findest du den richtigen Start – ohne dich zu verzetteln

  • Autorenbild: Jennifer Münch
    Jennifer Münch
  • 2. März
  • 5 Min. Lesezeit

Du wolltest schon immer malen, es kribbelt dir ziemlich stark in den Fingern. Doch, du weißt nicht, womit du anfangen sollst.


Du stehst du vor einer Wand aus Möglichkeiten. Acryl oder Aquarell? Leinwand oder Papier? Brauche ich Talent? Einen Kurs? Teure Pinsel? Was brauche ich wirklich?

Die Lust ist da - Die Klarheit fehlt.


Genau hier verlieren viele den Schwung. Nicht, weil sie unkreativ wären. Sondern weil sie alles auf einmal richtig machen wollen und nicht wissen, wie sie starten sollen.

Stelle dir vor, du planst einen Abenteuerurlaub in den Dschungel und hast sowas noch nie gemacht. Glaubst du, dass du von Anfang an, für jede eventualität alles dabei hast? Vermutlich nicht. Dieser Artikel bringt etwas Ordnung in deinen Kopf – damit du nicht planlos startest, aber auch nicht ewig hin und her überlegst, ob du VORHER alles bedacht hast. Jetzt kommen 5 Tipps für Malen für Anfänger:


Pinsel

1. Hör auf, nach der perfekten Technik zu suchen


Eine der häufigsten Fragen bei Google lautet: „Welche Maltechnik ist für Anfänger am besten?“


Die ehrliche Antwort: Die, mit der du ins Tun kommst. Acryl ist unkompliziert. Du kannst übermalen, schichten, korrigieren.Aquarell lebt vom Fließen, vom Loslassen, von lebendigen Übergängen. Digitales Malen bietet dir Freiheit ohne Materialchaos, benötigt aber oft ein teures iPad. Ja es gibt auch noch so viel mehr…


Um ehrlich zu sein, nimmt dir aber keine Technik die Unsicherheit ab. Entscheide dich pragmatisch, nicht strategisch. Was spricht dich spontan an? Womit würdest du heute Abend anfangen, wenn alles bereitläge? Gibt es irgendwo schon Material, oder kannst du dir mal was bei jemandem leihen? Auch Läden wie „Action“ oder „Tedi“ reichen für den Anfang aus, um ins Tun zu kommen.


Es reicht, wenn du eine Wahl für den Moment triffst. Du heiratest weder eine Technik noch das Material. Wenn du dir ganz unsicher bist, welche Technik für dich das Beste ist oder welches Material dir liegen könnte, empfehle ich dir Mal-Events in deiner Nähe, bei denen du, ohne dir das Material anschaffen zu müssen, es einfach ausprobieren kannst. Willst du selbst jetzt starten? Kommen folgende Tipps.


2. Reduziere dein Material – radikal


Anfänger machen oft denselben Fehler: Sie kaufen zu viel. Zwölf Pinsel, zwanzig Farben, zig Malgründe. Glaub mir, ich spreche aus Erfahrung - auf meinem Dachboden warten ganz viele Stoffe, Garne, und Bastelmaterialien. Da ich alles ausprobieren wollte und dann gerne am Anfang übertrieben habe. Jetzt ärgere mich, dass ich mich so hinreißen ließ. Kennst du das?


Man glaubt immer, dass, wenn man das „richtige“ Material hat, alles von selbst kommt. Leider muss ich dich hier enttäuschen, denn es macht mehr Sinn, mit wenig zu starten, um zu schauen, ob es was für dich ist. Sonst hast du, wie ich, ein kleines Bastellager auf dem Dachboden.


Für den Start reichen:

  • 3-5 Grundfarben

  • 3 Pinsel

  • Ein Malgrund oder ein Block


Mehr nicht.

Mit wenig Material wirst du automatisch kreativer. Du mischst Farben, statt auszuwählen. Du probierst, statt zu vergleichen und du lernst schneller, wie Farbe sich verhält. Komm einfach ins Tun.


Beschränkung ist kein Nachteil. Sie schärft deinen Blick.


3. Fang nicht mit einem Meisterwerk an


Viele blockieren sich mit zu großen Erwartungen. Das erste Bild soll besonders sein, schließlich möchte man das gewählte Motiv so gut wie möglich treffen. Doch hier liegt ein Fallstrick.


Warum?

Dein erstes Bild ist ein Testlauf. Sehe es wie eine Annäherung. Wenn du dich von Anfang an darauf versteift, dass es genauso aussehen muss, baust du zu viel Druck auf. Zu viel Druck kann Unsicherheit, Stress und Unzufriedenheit auslösen. Dein Kopf bewertet jeden Strich, deine Hand wird vorsichtig… so nimmst du dir den Spaß. Vergleiche es mit einem ersten Date. Es muss nicht die große Liebe sein, du willst einfach das Gegenüber kennenlernen.

Mein Tipp: Starte abstrakt.


Male Flächen, Bewegungen, Übergänge. Beobachte mal, wie Wasser die Farbe verändert und wie sich unterschiedliche Pinselbewegungen anfühlen. Und genau das ist ein wichtiger Punkt: FÜHLE die Materialien, erlebe sie. Du lernst in einer Stunde freies Experimentieren mehr über Malen als in fünf Stunden Theorie. Und es macht Spaß.


4. Akzeptiere, dass Unsicherheit dazugehört


Der Moment vor dem ersten Pinselstrich fühlt sich oft größer an, als er ist. Oft macht auch die weiße Leinwand oder ein weißes Blatt eher Angst und man weiß nicht, wo man anfangen soll.


Unsicherheit bedeutet nicht, dass du es nicht kannst. Sie bedeutet, dass du Neuland betrittst. Genau dort entsteht Entwicklung. Seh es so: Ab jetzt lernst du immer mehr dazu. Du wirst immer besser und wie wäre es, wenn du dich selbst davon überzeugst, dass das nur der Anfang ist und es ab hier nur besser werden kann?!


Erfahrene Künstler:innen kennen dieses Gefühl genauso. Der Unterschied liegt nicht im Mut. Sie wissen, dass es nur eine Station ist, von der es immer nur bergauf geht. Dem Gipfel entgegen, um die wunderbare Aussicht zu genießen. Wichtig ist es immer, dass man trotzdem anfängt.


Eine kleine Übung: Der 20-Minuten-Start

Wenn du bisher gezögert hast, probiere Folgendes:


Stell dir einen Timer auf 20 Minuten. Nimm maximal drei Farben und arbeite ohne Motiv.


Keine Skizze. Kein Plan. Nur Bewegung. Konzentriere dich auf das Gefühl im Arm, auf den Kontakt zwischen Pinsel und Oberfläche. Beobachte, wie Farben miteinander reagieren.


Nach 20 Minuten hörst du auf, egal wie „fertig“ das Bild wirkt und ob du es schön findest oder nicht. Darum geht es nicht. Es geht um das Gefühl und die Überwindung. Es geht darum, deinen Kopf mal auszuschalten und nicht in eine Erwartungshaltung zu gehen.


Diese Übung nimmt Druck raus. Sie zeigt dir, dass Malen kein Prüfungsfach ist, sondern ein Prozess.


5. Starte klein – aber bleib dran


Der größte Fehler ist nicht ein misslungenes Bild. Es ist das Aufgeben nach dem ersten Versuch.


Plane lieber kurze, regelmäßige Einheiten und nimm dir vor nur ein Bild pro Woche zu malen. Versuche es mit einer kleinen Serie aus drei ähnlichen Motiven. Durch Wiederholung entsteht Sicherheit und durch die Sicherheit wächst deine Freiheit.


Ich rate auch immer am Anfang nicht auf teuren und großen Leinwänden zu malen (wenn du mit Acryl startest). Nutze einzelne Blätter, Malgründe und maximal kleine Leinwände. Denn wenn du teure Untergründe verwendest erhöht das nur den Druck, dass alles perfekt sein muss.


Malen für Anfänger - Wann Unterstützung sinnvoll ist


Allein starten funktioniert gut – solange du ins Tun kommst.


Wenn du jedoch merkst, dass du immer wieder hängenbleibst, kann ein klarer Rahmen helfen. Struktur nimmt Druck und Gemeinschaft kann motivieren. Gibt es Schritt-für-Schritt-Anleitungen? Diese können Frust minimieren. In Gruppen zu malen kann auflockernd sein.


Auf meiner Seite findest du sowohl geführte Mal-Events für Einsteiger, sowie Onlinekurse für das Malen auf dem iPad, falls du dir Begleitung wünschst. Es gibt aber auch auf YouTube Videos von anderen Künstler:innen, die dir gegebenenfalls Techniken erklären und diese zeigen können. Überlege dir, was am besten zu dir passt und womit DU dich wohl fühlst.



Fazit: Weniger denken, mehr malen.


Das ist mein Mantra. Du brauchst keinen perfekten Plan, um mit dem Malen zu beginnen. Du musst dich nur dazu entscheiden zu beginnen und dich zu öffnen für etwas, was du noch nicht ergründet hast. Sieh es wie ein kleines Abenteuer durch den Dschungel voller Farben. Wenn du dran bleibst und durchhältst, wirst du neue Erfahrungen machen und Spaß haben. Stelle dir vor, du lässt deine Ansprüche, Erwartungen und Unsicherheiten am Flughafen zurück, bevor du in den Jeep steigst, der dich zum Dschungel bringt.


Der erste Pinselstrich ist selten spektakulär, aber er verändert etwas. Er bringt dich vom Wunsch ins Handeln und genau dort beginnt dein Abenteuer.

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